04.05.02: 50 Tonnen Öl in Rhein geflossen
Düsseldorf. Bei einer Kollision in Höhe des Nordparks schlug ein Tankschiff leck. Umweltschäden schließen die Experten allerdings aus. Das Trinkwasser ist nicht gefährdet
Normalerweise ist es einer der schönsten Orte Düsseldorfs, um morgens aufzuwachen - Lörick, ebenso ländlich, wie idyllisch. Gestern Morgen rümpften die Anwohner an der nördlichen Stadtgrenze jedoch die Nase. Irgendwie müffelte es schwer nach Diesel.
Es war jedoch nicht der Landwirt von nebenan, dessen Traktor ein Loch im Tank hatte. Es war ein großes Tankschiff auf dem Rhein, das sich bei einem Zusammenstoß die Schiffshaut aufgerissen und dann tausende Liter leichtes Heizöl "geblutet" hatte. Denn blutrot eingefärbt ist der Treibstoff - aus steuerlichen Gründen, damit er von normalem Auto-Diesel zu unterscheiden ist.
Gegen 4 Uhr war dem mit 1100 Tonnen Öl beladenen deutschen Tankmotorschiff "St. Florian" der - Seemannsdeutsch - Anker durchgegangen. Der Rhein mit seiner Strömung brachte dann das Verhängnis. Noch bevor die Besatzung eingreifen konnte, trieb der Tanker gegen den mit Zement beladenen Schubverband "Robert David", der einige Meter stromabwärts geankert hatte.
Auf Höhe des Nordparks kam es zur Kollision. Der Tanker geriet in Schräglage, eindringendes Wasser führte zu einem Maschinenschaden. Der Schubverband wurde ebenfalls vom Anker gerissen. Beide Schiffe trieben rund einen Kilometer stromabwärts bis zum Löricker Sporthafen, bis es der Besatzung des Schubverbandes gelang, den manövrierunfähigen Tanker längsseits zu holen und zu vertäuen.
Durch den Aufprall wurde ein fußballgroßes Loch in die Backbordwand des Tankschiffs gerissen, der unangenehm riechende Treibstoff lief aus. Die Feuerwehr konnte das Loch im Tank des Schiffes jedoch provisorisch abdichten. Es flossen rund 50 Tonnen des Heizöls in den Rhein. Eine größere Katastrophe konnte verhindert werden, weil nur eine Tankkammer betroffen war und das Heizöl in andere Bereiche des Schiffes umgepumpt werden konnte.
Die Feuerwehr war mit 50 Mann vor Ort, neben dem eigenen Löschboot kamen auch die Schiffe der Neusser und Krefelder Feuerwehren zum Einsatz. Klaus von Zahn vom städtischen Umweltamt löste, vom Alarm aus dem Bett geklingelt, sofort Rheinalarm aus.
Die Düsseldorfer Wasserwerke mussten aber nicht geschlossen werden. Das flüchtige Heizöl kann nicht ins Trinkwasser gelangen, das aus den Tiefen des Rheinufers gewonnen wird. "Es ist noch einmal glimpflich ausgegangen", zeigte sich Umweltdezernentin Charlotte Nieß-Mache erleichtert. Im Hinterkopf spukt schließlich noch die Explosion eines Tankschiffs vor Kaiserswerth im Jahr 1998.
Die havarierten Schiffe wurden gestern Mittag in den Neusser Hafen geschleppt. Dort wurde das Heizöl in einen anderen Tanker umgepumpt. Während dieser Zeit blieben der Düsseldorfer Haupthafen, der Yachthafen und der Löricker Sporthafen gesperrt.
Der Umweltschaden ist vermutlich minimal. "Wir hatten nur Angst um den naturnahen Teich im Freibad Lörick, aber der hat eine Ölsperre, die auch gut funktioniert hat", berichtet Klaus von Zahn. Die 50 Tonnen Heizöl belasten den Rhein nicht wesentlich - es ist kaum mehr, als ein Tropfen Blut in der Badewanne.
Foto: Das Tankschiff "St. Florian" (r.) rammte gestern Morgen den luxemburgischen Schubverband "Robert David" (l.). 50 Tonnen leichtes Heizöl liefen in den Rhein.