11.04.03: Eine Lagerhalle als neue Wache

FEUERWEHR / Nach über 30 Jahren endet ein Provisorium.
Die Mannschaft des Löschbootes zieht jetzt zur Bremer Straße. Viel Platz auf zwei Etagen. Der Umbau kostet über 690 000 Euro. Freier Blick auf Hafen und Rhein.

Matrosen müssen hartgesottene Burschen sein. Die Männer vom Düsseldorfer Feuerlöschboot erst recht. Bequem hatten sie es selten. Selbst an Bord gab es hier und da mehr Annehmlichkeiten als an Land. Das lag daran, dass ihre "Wache", die Löschbootstation, immer nur ein Provisorium war. Bei Hochwasser bekam die Mannschaft nasse Füße, stand das Wasser bis zu 20 Zentimer in der Baracke. Keiner hatte ein Bett für sich allein. Die Küche war viel zu klein. In irgendeine Ecke zwischen Bettgestellen wurde ein oller Schreibtisch gequetscht. Das war das "Büro" der Löschbootstation. In dieser Enge mussten sämtliche Berichte geschrieben werden. Seit gestern ist das Vergangenheit. Die uniformierten Matrosen und Retter zogen in die neue Löschbootstation, die ihren Namen auch verdient - nur einen Katzensprung vom alten Standort an der Speditionsstraße entfernt.

Platz für die Mannschaft war nur an Bord

Leicht hatte es die Mannschaft vom Löschboot nie, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Als das Löschboot in Betrieb genommen wurde, gab es keinen Schuppen, keine Unterkunft, nichts. Nur ein Anleger wurde 1964 zum Ende des Handelshafens geliefert. Auf diesem Anleger zimmerten die Männer mit ein paar Brettern ihr Toilettenhäuschen mit einem Waschbecken. Sonst hielten sie sich die ganze Zeit an Bord auf. Erst sechs Jahre später wurde eine kleine Baubaracke an der Speditionsstraße 23, das frühere Planungsbüro für die Nordbrücke, frei. Die erste Löschbootstation war damals schon zu klein, sollte nur ein Provisorium sein. Gerade mal 132 Quadratmeter für den Wachvorsteher Frank Becker und seine 21 Kollegen. Ein Zustand, der über 30 Jahre anhielt.

Nicht mal die Arbeitsschutzbestimmungen wurden dort eingehalten, erinnerte sich Feuerwehr-Dezernentin Charlotte Nieß-Mache. Doch letztlich gab die Feuerwehr ihr marodes Domizil an der Speditionsstraße erst auf, als sie der Umgestaltung des Hafens im Wege stand.

Jahrelang hatte die Feuerwehr gemeinsam mit den Stadtwerken und den Hafenbetrieben nach einer Lösung gesucht: Da kamen die Architekten sogar auf die Idee, eine Feuerwache auf schwimmenden Pontons zu errichten.

Eigene Räume für Pause und Sport

Doch dann räumte eine britische Spedition die Lagerhalle an der Bremer Straße 68 - und schnell waren sich alle Beteiligten einig, dass in einem Teil dieses Gebäudes die neue Löschboot-Station errichtet werden sollte.

Die Feuerwehr investierte 324 000 Euro in den neuen Steiger. Die Stadtwerke als Vermieter übernahmen den Umbau der Lagerhalle für 367 000 Euro. Auf 423 Quadratmetern ist nicht nur genug Platz zum Schlafen und Arbeiten. Die Wachbesatzung bekommt sogar Fitness- und Pausenräume - und jeder einzelne ein eigenes Klappbett. Von der Station blicken die Männer sowohl auf den Hafen als auf den Rhein.

In den nächsten Wochen müssen die Retter noch oft in die Hände spucken, um einige Räume der Station auszubauen. Doch zunächst machen sie auf Deck klar Schiff.

MICHAEL MÜCKE