12.11.04: Schiffe stießen zusammen
RHEIN / Im dichten Nebel kollidierte ein Tanker mit einem Küstenmotorschiff. Die Feuerwehr brauchte 30 Minuten, um den Unglücksort auszumachen. Suche mit Sirenen und Wärmebildkamera.
Er hält das Steuer und sieht nichts. Die Nebelwand verschluckt den Rhein - und alles, was, sich auf ihm bewegt. Der Matrose des Tankmotorschiffes "Monika" ist auf den Radar angewiesen. Doch aus welchen Gründen auch immer registriert er nicht, dass er sich auf Kollisionskurs befindet. Plötzlich bebt das Schiff, wird der Matrose durch die Wucht gegen die Frontscheibe des Steuerstandes geworfen, bleibt verletzt liegen. Wenig später, gestern um 6.39 Uhr, erhält die Wasserschutzpolizei im Hafen einen Notruf vom Schiff und die unklare Meldung, dass irgendetwas passiert sein muss. Die Feuerwehr löst Großalarm aus, schickt 40 Retter raus. Es folgt die schwierige Suche nach dem Geisterschiff auf dem Rhein - irgendwo zwischen der A-44-Brücke und der Fähre Kaiserswerth. Wo genau, das weiß in diesem Moment keiner. Nur dass der Tanker zum Glück seine gefährliche Methanol-Fracht vor dem Unglück entladen hat. Denn sonst hätte Explosionsgefahr bestanden.
Zwei Löschzüge der Feuerwehr rücken aus, um vom Rheinufer den Unglücksort auszumachen. Gleichzeitig machen sich sechs Boote der Wasserschutzpolizei, der Feuerwehr und des Wasserschifffahrtsamtes bei Null Sicht auf die Suche. "Es war eine weiße Suppe, man konnte nicht mal das Wasser sehen", erinnert sich später Feuerwehr-Sprecher Heinz Engels.
Gefunden am Stromkilometer 754
Die Helfer versuchen alles Mögliche, rufen, schreien, lassen ihre Sirenen heulen, schalten ihre Flutlichter an, richten ihre Wärmebildkameras Richtung Fluss. Endlich nach 30 Minuten werden zwei havarierte Schiffe am Stromkilometer 754 (gegenüber Lohausen) ausgemacht. Die Höhrenretter der Feuerwehr bergen den verletzten Matrosen mit Hilfe eines Kranes. Die Einsatzkräfte dichten das gerissene Sicherheitsventil eines Methanol-Restbehälters ab, messen die Luft: keine Explosionsgefahr.
Stunden später - bei hellem Sonnenschein - sieht der herbeigerufene Havariekommissar den gewaltigen Schaden: Das mit Aluminium beladene Küstenmotorschiff "Diamant", mit dem "Monika" zusammenstieß, ist auf Grund gelaufen, die gesamte Backbordseite schwer beschädigt.
Erst am Nachmittag sind die Bergungsarbeiten abgeschlossen. Die Bilanz der Wasserschutzpolizei an einem einzigen Morgen: Insgesamt sind fünf Schiffe zwischen Leverkusen und Düsseldorf im dichten Nebel kollidiert..
Michael Mücke
Foto: Feuerwehr Meerbusch