Kräne bergen Schiffswrack
Stürzelberg. Sie waren in Scharen gekommen - auf Fahrrädern, Motorrädern und zu Fuß, mit Wolldecken und Sonnenschirmen, Volleybällen und Picknickkörben, Thermoskannen und Bananen, Fotoapparten und Videokameras. Das Schiffswrack der "Allegro" war am Montag (08.05.06) das Ausflugsziel Nummer eins am Rhein.
Fast sieben Wochen, nachdem der niederländische Frachter an der Anlegestelle des Containerterminals UCT in Stürzelberg gesunken war, hoben zwei schwimmende Bergungskräne das Schiff vom Grund des Flusses. Und über 60 Schaulustige verfolgten am Ufer die Bergung des Bootes.
Das Interesse für das Schiffswrack, das seit Wochen anhält und an den vergangenen sommerlichen Tagen hunderte Spaziergänger und Ausflügler an die Rheinpromenade lockte, betrachtet Sebastian Hopf mit sehr gemischten Gefühlen. „Natürlich ist diese Bergung eine kleine Sensation“, sagt der Handlungsbevollmächtigte von UCT.
„So hautnah und live kann man wahrscheinlich nirgendwo in Deutschland miterleben, wie ein Schiffswrack geborgen wird. Und der technische Aufwand mit den riesigen Kränen ist ja wirklich sehr beeindruckend.“ Trotzdem schaute er am Montag immer wieder besorgt in Richtung Ufer. „Da muss nur eines der schweren Seile reißen und in die Menge pendeln - das kann lebensgefährlich werden“, sagt er.
Die Schiffsbeobachter zu vertreiben, habe UCT jedoch bereits vor rund einer Woche aufgegeben, als die beiden Bergungskräne anrückten und für das spektakuläre Bild am Stürzelberger Ufer sorgten. „Es wurden immer mehr, nicht weniger“, erklärt Hopf. Das Dormagener Ordnungsamt habe das Ufer bereits vor Wochen mit Bauzäunen und Flatterband abgesperrt, berichtet Stadtpressesprecher Harald Schlimgen. Allerdings hätten diese Sperren viele Ausflügler nicht daran gehindert, sich dem Schiff doch zu nähern.
„Wir bleiben in sicherer Entfernung und passen auf“, versichert Elke Spickert, die dem Drängen ihrer beiden Söhne Lukas (8) und Dennis (6) nachgegeben hat. Die beiden hatten von Freunden erfahren, dass die Kräne heute zum Einsatz kommen sollen - und ihrer Mutter so lange in den Ohren gelegen, bis sie die Räder startklar gemacht und die Route von Uedesheim nach Stürzelberg festgelegt hatte. „Mir ist noch lieber, ich bin dabei, als dass die beiden auf eigene Faust losziehen“, sagt sie - und klopft auf die Helme der beiden Jungen.
In den vergangenen Wochen hatte ein Kran mit Spinnen-Greifarmen den größten Teil der Ladung aus dem Wasser gefischt: Rund 1300 Tonnen der Aluminium-Barren konnten gehoben, getrocknet, gebündelt und an Alunorf ausgeliefert werden. Schadensbegrenzung in einem Fall, der für mehrere Seiten teuer wird.
„Nach dem bisherigen Stand der Untersuchungen könnte es so aussehen, dass den Kapitän des Schiffes eine Mitschuld trifft, weil der Frachter nicht richtig beladen war, aber das wird wahrscheinlich vor Gericht entschieden“, sagt Hopf. Wichtig sei für das Stürzelberger Unternehmen, dass UCT keine Schuld treffe.
Wie groß der wirtschaftliche Ausfall für den Container-Terminal ist, weil das Wrack über Wochen eine Verladestelle blockiert hat, müsse noch ermittelt werden. „Wir konnten wochenlang keinen Sand umladen“, so Hopf.
Das soll sich jetzt wieder ändern: Nachdem am Montag mehrere Hochleistungspumpen den Rumpf des Schiffs von den größten Wassermengen befreit hatten, hoben die beiden Kräne das Wrack aus dem Rhein. Es soll jetzt nach Rotterdam abgeschleppt werden.
Die Schifffahrt auf dem Rhein war am Montag über mehrere Stunden eingeschränkt: An der Bergungsstelle konnten die Boote nur langsam und mit der notwendigen Entfernung vorbei treiben.
Quelle: NGZ-Online
Fotos: Mit freundlicher Genehmigung durch BTS Salvage and Transport Company
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